Deutschlands größter Cannabis-Club hat 18.000 Mitglieder, 180 Zweigclubs und nur eine Lizenz – viele warten nach einem Jahr immer noch auf Cannabis.
Ein Jahr nachdem Clubs erstmals unter dem Konsumcannabisgesetz (KCanG) den Betrieb aufnehmen durften, sieht sich Deutschlands größtes Netzwerk von Cannabis-Sozialclubs mit dem Unmut der Mitglieder konfrontiert. Eine WDR-Recherche zu Mariana Cannabis sagt, der Verein habe seit dem Frühjahr 2024 Mitgliedsbeiträge eingezogen, Cannabis sei aber bislang nicht ausgegeben worden.
Deutschlands größter Cannabis-Club wuchs schneller als seine Lizenz
Mariana Cannabis-Sozialclubs Deutschland e.V. ist ein Verband von 180 Zweigclubs, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen (NRW), und gibt an, nahezu 18.000 Mitglieder zu haben. Der Hauptsitz ist in Göttingen, doch die Mitgliederbasis ist über ganz Deutschland verteilt, weshalb sich der Verband als den größten Cannabis-Club des Landes bezeichnet.
Die Lücke zwischen dieser Größenordnung und dem gesetzlichen Modell sieht so aus:
| Aspekt | Mariana Cannabis | Deutschlands KCanG-Clubmodell | Quelle |
|---|---|---|---|
| Größe | Nahezu 18.000 Mitglieder | Maximal 500 Mitglieder pro Club | WDR-Recherche zu Mariana Cannabis |
| Struktur | 180 Zweigclubs, die meisten in Nordrhein-Westfalen (NRW) | Gemeinnützige Cannabis-Sozialclubs | WDR-Recherche zu Mariana Cannabis |
| Lizenzierung | Ein Zweigclub in Göttingen lizenziert; 16 weitere Anträge offen | Vor dem Beginn des Anbaus ist eine schriftliche Anbaugenehmigung erforderlich | WDR-Recherche zu Mariana Cannabis |
Die wichtigsten Zahlen sind klar:
Ein Jahr der Zahlungen, Verschiebungen und des Wartens
Die Frustration rührt aus den eigenen Zusagen des Clubs. Den Mitgliedern wurde im Frühjahr 2024 gesagt, der Anbau solle im Juli 2024 beginnen; dann verschob sich das Ziel auf November und anschließend auf Anfang 2025. Petra, ein ehemaliges Mitglied, das Mariana online fand, als sie in Stralsund nach einem örtlichen Club suchte, sagte, ihr habe die Idee gefallen, beim Aufbau von etwas Neuem mitzuhelfen.
Die Abfolge der Ankündigungen sieht so aus:
Vor Ort liegt das Nadelöhr vor allem im Papierkram am Hauptsitz in Göttingen:

Marianas Erklärung und die breitere Einführung
Mariana teilte dem WDR mit, die Verzögerung gehe auf lange Bearbeitungszeiten zurück, und man habe mit der im KCanG vorgesehenen Drei-Monats-Frist kalkuliert. Der Verband sagt außerdem, einige Behörden behandelten die Reform politisch, doch diese Erklärung passt schlecht dazu, dass viele kleinere Clubs nach denselben Regeln bereits mit der Abgabe begonnen haben. Mehr als 200 Clubs bundesweit haben bereits Anbaulizenzen erhalten. Über die breitere Transparenzdebatte rund um die Club-Einführung in Deutschland haben wir in unserem früheren Bericht über CSC-Listen in vier Bundesländern berichtet.
Mariana sagt, man habe nach folgendem Rahmen gearbeitet:
- Clubs müssen gemeinnützige Vereine sein;
- jeder Club darf höchstens 500 Mitglieder haben;
- Behörden haben drei Monate Zeit, Anträge auf Anbaugenehmigungen zu bearbeiten.
Für Mitglieder ist der rechtliche Rahmen zu einem Test der Geduld geworden, nicht zu einer Versorgungsquelle.
Für Mariana Cannabis ist das Kernproblem inzwischen klar: Der Verband hat eine riesige Mitgliederbasis aufgebaut, doch die Versorgung liegt noch immer weit hinter den Versprechen zurück, die zum Beginn der Club-Einführung in Deutschland gemacht wurden.








